„Vermeintliche Gründe“ – das Verhältnis von Gemeinschaft und Individuum in der nationalsozialistischen Ethik

Mehrere Jahre hat sich eine Forschungsgruppe an dem Fritz-Bauer-Institut unter der Leitung von Werner Konitzer mit der Frage beschäftigt hat, welche Rolle Moral im Nationalsozialismus gespielt hat. Dabei sollte es nicht darum gehen, welche Moralvorstellungen Einzeltäter hatten, die direkt an der Ermordung beteiligt waren; sondern es wurde der Frage nachgegangen welches normative Klima zur Zeit des Nationalsozialismus in der Gesamtgesellschaft vorherrschte. Dazu arbeitete die Forschungsgruppe mit wissenschaftlichen Texten, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus publiziert wurden und die den Anspruch hatten eine nationalsozialistische Ethik zu formulieren. Bei der Auswahl der Texte half der Forschungsgruppe ein Sicherheitsdokument der SS, indem sie die Tätigkeit von Hochschulprofessoren beobachtet, beurteilt und kategorisiert haben. Das Ergebnis des Forschungsprojektes unter der Leitung von Werner Konitzer ist ein Quellenband mit dem Titel "Vermeintliche Gründe - Ethik und Ethiken im Nationalsozialismus", das im Campus Verlag 2020 erschienen ist. David Palme ist Mitherausgeber des Bandes "Vermeintliche Gründe - Ethik und Ethiken im Nationalsozialismus" und hat sich viel mit Moral und dem Moralverständnis der NS-Zeit im wissenschaftlichen Kontext auseinandergesetzt. Mit ihm sprachen wir über das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft und "Die ewige Aufgabe", bei denen es sich um zwei wesentliche Aspekte handelt, die im nationalsozialistischen Selbstverständnis immer wieder auftreten.